Cordoba/Argentinien Juli 2015

Immer beim Frühstück wurden Neuigkeiten mit Deutschland ausgetauscht. Unsere Frühstückszeit – 8 bis 8.30, in Deutschland ist es dann schon 13 Uhr. Passt. Im Ensemblehaus in Freiburg stehen die Zeichen auf Urlaub. Der oder die eine oder andere ist schon weg oder bricht gerade auf. Bei uns zuhause ist die Waschmaschine kaputt, eine neue (natürlich Miele) ist schon auf dem Weg, und heute die Meldung von meinem Sohn Leonard, dass mich in 4 Tagen im Urlaub an der französischen Atlantikküste 3-4 m hohe Wellen erwarten. Die werde ich mir wohl in Ruhe vom Strand aus ansehen und das Surfbrett erst einmal liegen lassen.

Ich bin unterwegs mit Uwe Möckel (in Vertretung für Shizuyo Oka) und wir befinden uns auf dem Rückflug von Cordoba nach Frankfurt, auf dem ersten Teilstück nach Sao Paolo. Nach knapp einer Woche in Cordoba, zu Gast beim Festival Nueva Musica, fällt die Bilanz rundherum positiv aus. Das Festival findet in dieser Art zum zweiten Mal statt und soll im Zweijahresrhythmus fortgesetzt werden. Unterstützt wird es vom Goethe Institut Argentinien und vom argentinischen Kulturministerium. Veranstalter ist Suono Mobile, einer Initiative für neue Musik unter Leitung von Eduardo Spinelli aus Cordoba und Christof M. Löser aus Stuttgart. Hier finden Konzerte, Instrumentalkurse, Workshops, Vorträge, Podiumsdiskussionen statt, immer begleitet von Gesprächen, Austausch zwischendurch, zum Beispiel beim Frühstück oder auf dem Weg vom A nach B. Irgendwie, wenn auch nicht im gleichen Umfang, vergleichbar mit den Ferienkursen in Darmstadt - und für die Region, Argentinien, Südamerika ( es gab auch Teilnehmer aus Chile, Brasilien, Urugay, Venezuela) von großer Wichtigkeit. Als Dozenten sind auch anwesend Michael Maierhof, Malte Giesen, Pablo Arando (alle Komposition) oder Christoph M. Löser (Dirigat) und Christian Kemper (Oboe), um nur einige zu nennen. Unser Beitrag war zuvorderst das Konzert am Montag mit Werken von Berg, Lachenmann, Norgard, Stockhausen und Widmann und dann natürlich der Instrumentalunterricht. Da ich schon einmal, nämlich genau vor einem Jahr, in Cordoba unterrichtet habe im Rahmen eines Besuchs mit recherche, durfte ich sogar ein bekanntes Gesicht wieder begrüßen – Aparicio, Pianist aus Santa Fe (Argentinien). Es gab wieder viel zu tun, viele Fragen wurden gestellt, die Neugierde und Wissbegierde waren groß, die Zeit verging schnell. Und wieder wurden wir unterstützt von Dolmetscherinnen, denen man gar nicht genug für ihren Einsatz danken kann. Es erleichtert uns die Arbeit, gibt uns die Möglichkeit, Sachverhalte in der uns vertrauten Sprache darzustellen und die Studenten wiederum können sich uneingeschränkt äußern, Fragen stellen, Probleme oder spezielle Schwierigkeiten formulieren. Muchas gracias Anna e Brigitte.

Dann gibt es ja da in Cordoba noch meinen Lieblingsbäcker vor Ort, dessen süße Teilchen wir eben vor dem Abflug Richtung Heimat noch im Flughafen zusammen mit einem cafe con leche genossen haben und natürlich meine Stammkneipe (übrigens jetzt auch Uwes Stammkneipe) La Cabana de Chamigo, in der es die besten Empanadas (Teigtaschen mit den unterschiedlichsten Füllungen) der Stadt gibt, zu denen man dann kühles, erfrischendes Quilmes trinkt. Hier wurden wir spätestens am 3.Tag mit freudigen Blicken empfangen und dort war  immer gute Laune angesagt.

Bleibt noch, von unserem Ausflug in die Berge am Freitagnachmittag zu berichten – Cabalango – ein Tipp von Anna. Den Weg dorthin legen wir mit dem Bus zurück. Am Vorabend habe ich mir an der Hotelrezeption eine Verbindung heraussuchen lassen. Am Busbahnhof angekommen heißt es aber dann – no, aqui non Cabalango – es ist wohl nicht der richtige Busbahnhof. Dann, nach einer Weile und entspannten Gesprächen in meinerseits schwerst abenteuerlichem Spanisch und nur teilweisem Verstehen die Mitteilung – Cabalango si – halt mit Umsteigen irgendwo. Von da an verlief alles glatt. Umsteigen in Carlos Paz, wie sich herausstellte, Ankunft in Cabalango, Marktplatz würde ich sagen. Wir schlendern ein wenig herum, genießen die frische Luft und werden beim Gemeindehaus angesprochen, ob wir Hilfe, Informationen brauchen, jedenfalls glaube ich das zu verstehen. Si – warum nicht und nach einer Weile erscheint ein junger Mann, etwa Mitte 30, und stellt sich als Diego vor. Do you speak english? - a little. A very little – wie sich schnell herausstellt, also doch weiter auf Spanisch. Wir fragen nach den Sehenswürdigkeiten von Cabalango – il rio – Diego bietet an, uns dort mit seinem Auto hinzufahren. Nicht nötig - es ist sowieso nur 10 Minuten zu Fuß, vorne links. Und – a comer – am Besten in der Dorfbar, die wir schon bei unserer Ankunft ausgemacht haben. Wir verabschieden uns und ziehen weiter in die Bar. Dort gibt es Empanadas, Patatas fritas, Insalata und natürlich Quilmes – gemütlich. Die Straßenhunde beäugen uns, bleiben aber friedlich. Gestärkt begeben wir uns talwärts zum Fluss, entlang an großzügigen Grundstücken mit hübschen Häusern darauf. Die Straßen sind hier noch nicht asphaltiert. Erinnerungen an die Kindheit in der Eifel werden wach. Wir hatten eine Matschallee und in Cabalango ist es halt zu dieser Jahreszeit eine Stauballee, ein bißchen wie im Western. Am Fluß angekommen, geht es weiter am Ufer entlang flussaufwärts. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Der Anblick ist wunderschön. Runde Steininseln überall, am Ufer läuft man von Stein zu Stein, dann ein Schilfgebiet und obwohl es Winter ist in Argentinien, wagen wir ein Bad in den Fluten. Zu gegebener Zeit treten wir den Rückweg an, schauen vom Dorfplatz noch der am Cordillerenkamm versinkenden Sonne hinterher, bis unser Bus Richtung Cordoba abfährt. Rechtzeitig zu den Abendveranstaltungen sind wir zurück, die Buchvorstellung einer Veröffentlichung von Suono Mobile mit Statements, Artikeln von beispielsweise Michael Maierhof oder Mathias Spahlinger und im Anschluss daran ein Konzert im Centro Cultural Cordoba mit Luigi Nonos Stück für 2 Violinen „Hay que caminar“.