Fondation Royaumont

Schwierig war nur der Beginn der Reise. Das Fest am Vorabend wollte und sollte nicht enden, schliesslich feierten wir den 30. Geburtstag des ensemble recherche. Nach einer kurzen Nacht standen wir alle am 20.6.15 um 6.45 Uhr am Bahnhof, stiegen in den train à grande vitesse, kurz TGV, sausten nach Paris und von dort nach Asnière-sur-Oise zur Zisterzienser - Abtei Royaumont. Diese herrliche Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert hat - wie alle historischen Anlagen - eine wechselvolle Geschichte. Im 20. Jh. wurde sie von der Familie Gouïn gekauft, die 1964 die Stiftung Royaumont gründete und aus der Anlage ein Kulturzentrum machte. Dies nur zum Verständnis, weshalb dort jährlich Musik-Festivals stattfinden, bei denen das ensemble recherche in diesem Jahr nicht zum ersten Mal auftrat. Gegründet wurde die erste saison musicale 1936 von dem 1944 in Auschwitz ermordeten Pianisten François Lang, dessen wunderbare Bibliothek mit Originalpartituren vom 17. bis 20. Jahrhundert, Briefen von Fauré, Debussy, Berlioz und vielen mehr in der Fondation Royaumont beherbergt wird. Das alles allein schon eine Sensation, die Küche formidable, der Besuch des nahegelegenen Château Chantilly ein kleines Fest. Wobei wir uns dort nicht über die dort angeblich erfundene Schlagsahne unterhielten, groteskerweise sassen wir in der prunkvollen Parkanlage und sprachen über ... Bratkartoffeln. Nein, den eigentlichen Gewinn dieser Reisen, die wir Freunde mit „unseren“ Musikern unternehmen, machen unsere Ohren. Kunst hat immer auch mit Vertrauen in die handelnden Personen zu tun. Im Zug, beim Frühstück, beim Essen oder Spaziergang, man erlebt diese Menschen sehr nah und eindrücklich. Wie sie über ihre Arbeit reden, über Politik oder Gelesenes oder Gesehenes, man hört ihrem Spiel am Abend anders zu.