Graz 5. Oktober 2013

Auf der Rückreise im Zug von Frankfurt Flughafen nach Freiburg am frühen Sonntagabend, das Spiel des SC Freiburg gegen Frankfurt hat gerade begonnen, Zwischenstand 0:0, wie mir mein 13 Jahre alter Platznachbar Frederik aus Freiburg gerade mitgeteilt hat, genießen einige Ensemblemitglieder die kulinarischen Freuden, die der neue Rewe im Fernbahnhof Frankfurt Flughafen bietet:  Sushibox (vernichtendes Urteil durch Christian Dierstein), sehr guter, selbst zusammengestellter Salat aus Pasta, Köttbuller, Fetakäse, Tomaten, Mais, roten Bohnen und Mozzarella, auf einer Skala von 1-5 (1 bedeutet hier purer Genuß und 5 ungenießbar) mit einer 2 bewertet von Asa Akerberg.

Der Leser hat sicher schon bemerkt, dass dieser Bericht noch als Bestandteil der Reise selbst entsteht, eben der letzten Etappe Frankfurt Flughafen – Freiburg mit dem Zug.

Jetzt würde mich aber ein neuer Zwischenstand beim Spiel Freiburg gegen Frankfurt interessieren, aber Frederik ist auf seinem ipod gerade so in die Schlußszene von Karatekid vertieft, den letzten entscheidenden Kampf, dass ich mich nicht traue, ihn zu stören.

Ah – doch ein wahrer Fußballfan – gerade erfragt er per SMS den Zwischenstand von seinem Vater. Bei Karatekid gibt es ja auch eine Pausentaste. Die Antwort kommt prompt – immer noch 0:0.

 

Nun aber zurück zu den Glanztaten des Ensembles in Graz beim Musikprotokoll.

Einmal galt es den Probenmarathon, der sich wegen der speziellen Konzeption des Samstagabendkonzertes als notwendig erwies, zu überstehen.

Beginn 23 Uhr Freitagabend mit Einrichtung für die Uraufführung des Stückes von Katharina Klement mit Schlagzeug, Klarinette, Klavier, Liveelektronik und Video.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging es weiter mit Einrichtung für Alwynne Pritchards Stück, dann von 10 bis 11.30 die Proben für die Stücke von Malin Bang und Hans Abrahamsen (UA), im Anschluss dann noch einen Sondereinsatz meinerseits, die Schola Heidelberg bei einem Stück zu unterstützen, das diese um den Flügel herum gruppiert in diesen hinein sang, um so die von mir mittels Drücken des rechten Pedals freigegebenen Saiten des Bösendorfer Imperial zum Schwingen zu bringen, und eben auch an drei oder vier Stellen gezielt zum Schweigen zu bringen – nicht die Sängerinnen und Sänger natürlich (dafür ist Herr Nußbaum zuständig), sondern die Saiten.

Um 14 Uhr ging es dann für uns alle weiter mit der eigentlichen Probe für die Stücke von Pritchard und Klement, terminiert bis 17 Uhr, was auch fast geschafft wurde. Und nach einer Pause begann dann um 19.30 das Konzert mit den erwähnten Werken, immer im Wechsel mit den Darbietungen der Schola Heidelberg. Das Konzertoutfit legten wir schlussendlich gegen 23 Uhr ab, um uns abschließend in der Bar des AK Kammersaals noch ein süffiges Puntigamer zuzuführen.

 

Was bleibt noch zu erzählen?

 

Die schlechten Nachrichten:

 

Der Mohrenwirt, den ich am Freitagabend nach Ankunft aufsuchen wollte, hat Donnerstag und Freitag Ruhetag.

 

In Graz war es am Freitag und Samstag ziemlich frisch und ich hatte vergessen, eine Wollmütze einzustecken, mit dem Ergebnis, schon das Konzert mit einem satten Schnupfen bestreiten zu müssen und auch jetzt sitze ich noch reichlich Taschentücher verbrauchend vor dem Rechner.

 

Und Palmers Abverkauf in der Annenstraße hat so gut wie keine Männersachen mehr im Sortiment.

 

Die guten Nachrichten:

 

Das Santa Clara (ein Restaurant) in der Nähe des Schauspielhauses gibt es immer noch.

 

Die Graupapageien im Projekt metamusic waren sehr nett, sehr gesprächig, ließen sich sogar streicheln. Ihre eigentliche Aufgabe, die für Sie gebastelten Instrumente zu bedienen, schien Sie allerdings nicht sonderlich zu interessieren.

Bei dieser Begegnung drängt sich übrigens die Frage auf, wer hier eigentlich wen nachahmt.

 

Schießlich noch der Döner im rekordverdächtigen Aktionspreis für 1,50 Euro, dessen Verkostung mir dann aber doch erspart blieb, da der Veranstalter die gesamte Musikerschaft während des Konzertes reichhaltig mit üppigen Sandwichs versorgte. Hierfür herzlichen Dank an das Musikprotokoll, dessen Weiterbestehen wohl höchst gefährdet ist – Einsparungen beim österreichischen Rundfunk ORF.

Überall in meiner beruflichen Umgebung wird fusioniert, gekürzt, gestrichen, dichtgemacht – ich muss mich wohl mal langsam nach einem neuen Job umsehen. Das Grazer Musikprotokoll jedenfalls wird auch in einer contemporanpostpianistischen Erinnerung immer einen besonderen Platz einnehmen, ein risikofreudiges, auf seine Art einzigartiges Festival in Europa. Ein Treffpunkt, der Spuren, bleibende Eindrücke hinterlässt.

Aber vielleicht - hoffentlich werden wir rechercheure entgegen dem Trend ja doch wieder nach Graz reisen, nächstes oder übernächstes Jahr – zum Musikprotokoll. Es wäre nicht nur für uns wünschenswert.

 

Jetzt sind wir gleich in Freiburg. Ich hatte ja Frederik schon seit einigen Minuten in Verdacht, mitzulesen, was er mir jetzt kurz vor dem Aussteigen bestätigt hat. Immerhin habe ich so zwischenzeitlich (siehe oben – die Geschichte mit Karatekid) einen Zwischenstand vom Fußballspiel in Freiburg erfahren.

 

Von der Webseite des ensemble recherche schöne Grüße an Frederik von

Klaus Steffes-Holländer