Huddersfield Contemporary Music Festival

Die Stadt Huddersfield, ca. eine Stunde von Manchester entfernt, bereisen wir nun schon seit zwei Jahrzehnten immer wieder,  um bei dem dortigen, wohl berühmtesten englischen Festival für Neue Musik, dem Huddersfield Contemporary Music Festival, aufzutreten. Dieses Festival ist von weltweiter Bedeutung für die Schöpfer und Interpreten zeitgenössischer Musik, die dann auch aus aller Herren Länder anreisen, um Neues und Neuestes auf akustischer Ebene (Klassik und Jazz) darzubieten, wie auch um audiovisuelle Installationen zu gestalten. Außerdem gibt es Orchesterkonzerte mit dem BBC London, kunstorientierte Lern- und Mitmachprogramme für Kinder und Erwachsene usw..

Man muss diese Initiative umso mehr würdigen, als Huddersfield eine von der Bergbauindustrie geprägte Arbeiterstadt ist und das Festival hier seit 37 Jahren einen starken kulturellen Akzent setzt.

Es hat etwas Beruhigendes und Tröstendes, die Stadt immer wieder wie einen guten alten Bekannten anzutreffen. Mit ihren lehmbraunen Gebäudefassaden, dem meist grauen und bedeckten, aber doch weiten Himmel, den immer gleichen Läden in der Fußgängerzone, wirkt sie unaufgeregt und charismatisch. Nichts Teures, eher viel Marks & Spencer und Oxfam , und wegen der Jahreszeit überall Lichtergirlanden, Weihnachtsbäume und winkende Nikoläuse. Und gastronomisch hält man sich am besten an die indischen Restaurants...

Die Spielorte des Festivals sind über die ganze Stadt verstreut. Zu den schönsten gehören der Kirchenraum von St. Paul’s Hall und das kleine, intime Lawrence Batley Theatre, in dem wir diesmal aufgetreten sind mit dem Stück „Widerstehen“ des 1955 geborenen englischen Komponisten Christopher Fox.

In diesem einstündigen Werk verarbeitet er musikalisch das Schicksal seiner Tante Elisabeth von Thadden, die als Mitglied des Solf-Kreises von einem vermeintlichen Freund an die Gestapo verraten, im Januar 1944 inhaftiert, im Gefängnis Plötzensee in Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und dort im September hingerichtet wurde. Die Geschichte ist  ergreifend und Fox hat nach langen Recherchen über das Leben und den gewaltsamen Tod seiner Tante etwas sehr Persönliches daraus gemacht, ohne jemals zu sentimental oder peinlich zu werden.

Unsere Gastsängerin Truike van der Poel (Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart), lieh dem Part der Elisabeth ihre warme, ausdrucksvolle Stimme. Daniela Mohr vom Freiburger Kinder- und Jugendtheater "Theater im Marienbad" war die Sprecherin. Sie verkörperte auf energische Weise die Wärterin und Trösterin der letzten Stunden Elisabeths.

Nach der Aufführung gab es ein Publikumsgespräch mit dem Komponisten und eine kurze anrührende Begegnung mit seiner Mutter, der Halbschwester Elisabeths, die entgegen aller englischen Contenance sichtlich bewegt war.

Konzertkritik im Guardian