Luxembourg im Dezember 2012

Jedes Jahr denkt sich Bernhard Günther etwas Ungewöhnliches aus. Er ist der Veranstalter der ?Rainy Days? in der Luxemburger Philharmonie, eines spätherbstlichen oder frühwinterlichen Wochenendes mit neuer Musik. Letztes Jahr war es die ?Sprechstunde?, eine Art Therapieangebot für das Publikum, sich individuell einer bestimmten, persönlich ausgewählten Dosis Musik zu unterziehen.
Dieses Jahr hat er den ? Toy Piano World Summit? (Spielzeugklavier-Weltkongress) ausgerufen. Anlass war der hundertste Geburtstag von John Cage, der das Toy Piano durch eine Komposition geadelt hat, und dem die gesamten ?Rainy Days 2012? gewidmet waren. Neben vielen Konzert(ch)en und Aktionen mit Spielzeugklavieren, u.A. einer Ausstellung mit zahllosen, zum Anfassen und Spielen freigegebenen Exemplaren unterschiedlicher Größe, Ausstattung und Herkunft, fanden zeitgleich an fünf Orten der Philharmonie von 15h bis 22h Veranstaltungsportionen rund um John Cage statt.

Unsere Beiträge von recherche-Seite waren in das große Gesamtprogramm integriert, welches gleichzeitig dem Publikum des jährlichen ?Tags der offenen Tür? die Philharmonie schmackhaft machte. Sie reichten von Beethoven (als Feindfigur?!), Satie, Schönberg, Cowell, natürlich Cage selbst, seine Fluxus-Freunde, Tenney, Stockhausen, La Monte Young bis hin zu W.Zimmermann und F.Sarhan, welche sozusagen das aktuelle Komponieren im Nicht-Selbstverständlichen vertraten, wofür John Cage allgemein als Schlüsselfigur angesehen wird. Publikum gab es zunächst reichlich, denn der Nachmittag begann mit einer Komposition von James Clarke für Hunderte von Luxemburger Laienbläsern, die nebeneinander auf einer Brücke durch das Foyer Aufstellung genommen und ihre Familien mitgebracht hatten.

Die Vielzahl und Länge der parallelen Handlungsstränge führten bis zum Abend natürlich zu leichter Ermüdung, beim Publikum wie bei den Interpreten. Doch auch diese Grenzerfahrung kann durchaus als Übung im Cageschen Sinne erlebt werden. Das Ende bildete ein nicht notiertes Werk von La Monte Young, bei dem wir 337 Schläge genau synchron ausführen wollten. Nie mehr wird sich feststellen lassen, wieviele es tatsächlich waren, ich habe sie gewissenhaft gezählt, doch zwei Kollegen meinen, es seien etwa hundert zu viel gewesen... Fest steht nur: wir waren wirklich gut zusammen!