Paris im Oktober 2012

Was, wenn alles glatt läuft, keine unvorhergesehenen Ereignisse den geplanten Ablauf stören, das Wetter schön ist, das Konzert wie gewohnt in Güteklasse A ausgeführt wird und das Ensemble mit Glückwünschen zum gelungenen Abend, mit Lob und Anerkennung überhäuft nach getaner Arbeit zufrieden mit sich, wenn auch nicht mit der Welt, zur auf dem Reiseplan vorgemerkten Uhrzeit wieder in Freiburg eintrifft? Worüber soll der Reiseberichtbeauftragte schreiben?

Vielleicht noch die Fakten: Beim Festival d´Automne waren wir zu Gast mit einem Auftritt im Amphitheater der Opera Bastille. Das Programm: ausschließlich Werke des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen, im Zentrum dessen Werk ?Schnee?, das wir 2008 in Witten uraufgeführt haben, eine CD damit produziert haben und hier in der Gesamtfassung nun zum achten Mal spielen. Ergänzt wurde der Abend mit ?Winternacht? für Kammerensemble (hier mit als Gast dabei Jürgen Ruck an der Gitarre) und eine Auswahl aus den Canon für Klavier solo, präsentiert von Jean-Pierre Collot.

Keine besonderen Vorkommnisse ? basta. 
Nein, verschwenden wir doch den ein oder anderen Gedanken darauf, was alles hätte passieren können.

Ein Blick auf die zum Bericht gehörenden Fotos lässt unschwer erkennen, dass ich selbst nur knapp einer großen Gefahr entgangen bin, die überall in Frankreich lauert und diese gerade auch in der Hauptstadt. Nur meiner eisernen Disziplin und Widerstandskraft verdanken wir am nächsten Tag nicht in der französischen Presse lesen zu müssen Pianist wegen übermäßigem Genuss von foie gras in Klinikum eingeliefert.

Wie oft hat ein Recherchemusiker nicht schon den Aus- bzw. Umstieg während einer Bahnfahrt wegen der Lektüre eines packenden Lesestoffs verpasst. Auch dies blieb hier aus, da sich einfach die Gelegenheit nicht bot. Nach der Taxifahrt zum Bahnhof Mulhouse war kein Umstieg mehr zu absolvieren und im Zielbahnhof Gare de Lyon war Endstation.

Wer erinnert sich nicht an die Szene im Film Mr. Bean macht Ferien in der Mr. Bean nach Irrfahrt und anschließendem Spaziergang durch Paris vor der Weiterfahrt nach Cannes in eben dem Gare de Lyon in der Brasserie Le train bleu versucht, die dort servierte Meeresfrüchteplatte als kulinarischen Genuss zu entdecken bzw. sich dieser auf unkonventionelle Weise zu entledigen.

Auch in diesen Konflikt gerieten wir nicht. Die Zeit reichte eben nur für einen Blick in die üppige Architektur dieses Lokals. Nach Ankunft mussten wir nicht, wie Rowan Atkinson in der Rolle des Mr. Bean, am Bahnhof Zeit totschlagen, sondern Christian vom Festival erwartete uns schon am Bahnsteig, um uns dann mit dem Omnibus zum Hotel Citadines in der Nähe der Oper zu geleiten.

Auch der Versuchung, die Gage, getragen von der Euphorie des triumphalen Erfolges unmittelbar nach dem Konzert, in der nahe gelegenen Brasserie Bofinger in leibliche Genüsse zu verwandeln, stand die Einladung der Veranstalterin Josephine Markovits entgegen, zu einem pot oder auch réception, wie der Franzose sagt. Im Opernhaus selbst wurden Getränke und Häppchen gereicht, die dem Einen oder Anderen schon als postkonzertäre Nahrungsaufnahme ausreichten.

Dieser Bericht entsteht übrigens auf der Reise zu dem Paris nachfolgenden Konzert in Wien. Vielleicht werden wir mehr Glück haben, wieder von ungewöhnlichen Begebenheiten berichten zu können wie in der Vergangenheit beispielsweise Hotelgeister oder sich selbst vermehrende Twix. Warten wir ab. Die Parisreise wird uns jedenfalls nicht unangenehm als rundherum gelungen in Erinnerung bleiben.