Prometeo von Luigi Nono in der Philharmonie de Paris

Für mich war die Prometeo-Aufführung sicher ein Höhepunkt meines “recherche Musikerlebens“. Freilich gehört der Prometeo mit seinem großen Aufwand an Instrumentalisten, Sängern und der Elektronik überhaupt nicht zum Kernfeld des ensemble recherche als Kammermusikensemble. Die Solopartien der insgesamt 10 Instrumentalsolisten sind jedoch innerhalb des Werkes feinste Kammermusik.

Mich beschäftigt der Prometeo seit seinen ersten Aufführungen in Deutschland, die ich als gerade fertiger Student hörte. Später spielte ich zahlreiche Aufführungen in den verschiedenen Orchestergruppen. In den letzten Jahren dann z.B. in Freiburg, Amsterdam und Zürich als Solist. Die Flötenpartie und das ganze Werk bleiben ein Abenteuer; Unsicherheiten, Fragen, Zweifel gehören dazu und sind immer wieder Gegenstand intensivster Diskussionen. Es gibt wohl kaum eine so visionäre Komposition in den letzten 50 Jahren....

Der Prometeo in Paris nun, in der neuen Philharmonie von Paris, war ein Besonderer. Nach den Terroranschlägen von Paris am 13.11. war es für viele Beteiligte ein starkes inneres Anliegen, gerade dieses Werk, mit der ihm innewohnenden Botschaft, ja wie es an der leisesten und intimsten Stelle heißt „schwachen messianischen Kraft“ für eine andere Welt, in Paris zu spielen.

Die künstlerische Leitung lag in den Händen der beiden Dirigenten Ingo Metzmacher und Matilda Hofman und des Klangregisseurs André Richard. Es war sein letzter Prometeo, für uns recherche-Musiker ein besonderer Moment, begleitete André Richard doch das ensemble recherche seit seinen Anfängen auf freundschaftlichste Weise. Ohne seine profunden Kenntnisse der Nono-Partitur wäre uns eine Interpretation unmöglich gewesen! Ein wunderbarer gemeinsamer musikalischer Weg findet da ein unvergessliches, aber auch wehmütiges Ende. 

Fotos: Martin Fahlenbock