recherche bei den Finnen

Im finnischen Ort Viitasaari findet alljährlich im Sommer, und das schon seit 32 Jahren, ein international renommiertes Festival für Neue Musik statt, das sogenannte „Musiikin Aika , Time of Music“.

Zum ersten Mal war auch recherche dabei, der Einladung des neuen Festivalleiters Johan Tallgren folgend, der selbst auch Komponist ist.

Unsere Reise begann am 4. Juli frühmorgens und endete um ca. 23. Uhr, also war das selbst für uns Weltreisende ein sehr langer Tag!

Nach unserer Ankunft im Flughafen von Helsinki wurden wir in einen Bus verfrachtet, der nach etwa 5 Stunden schließlich in Viitasaari ankam. Unterwegs erste Eindrücke  von finnischer Landschaft: Natur überall, kaum Ortschaften, dafür abwechselnd Tannen- und Birkenwäldchen, faszinierend schöne Seen, in denen sich die Wälder, die Wolken und der Himmel nochmals in den schönsten Sonnenuntergangsfarben spiegelten. Nur dass die Sonne hier in den Sommermonaten praktisch nicht untergeht. Als Farbtupfer am Wegrand ergänzten endlose  Lupinenteppiche in blau und rosa das Idyll.

In Finnland, einem Land, das lediglich 18 Menschen pro Quadratkilometer aufweisen kann, scheint vieles anders zu sein als bei uns. Es ist, zum Beispiel, nicht leicht, den Ortskern von Viitasaari zu finden. Einer der jungen finnischen Komponisten, der im Bus saß, meinte scherzhaft, dass die Tankstelle im Ort das Zentrum sei. Da fühlte man sich geradezu in einen Film von Kaurismääki versetzt !

Unser Hotel (manche Kollegen waren anderweitig in Privatwohnungen untergebracht) lag wunderschön, wenn auch nicht ganz stechmückenfrei, am See und führte ein kleines Restaurant mit Terrasse.

Beim ersten, erfolglosen Versuch einzuschlafen, wurde mir der gnadenlose nordische Sommer/Winterzyklus bewusst, der das Land  monatelang in Dunkel und Dämmerung hält, um es in den Sommermonaten komplett in Licht zu tauchen, indem die Nacht abgeschafft wird.

Unsere beiden Konzerte fanden in der Kirche von Viitasaari statt, die makellos weiß und sehr schön auf einer Anhöhe über dem See thronte und die eine wunderbar klare Akustik in ihrem Innern für uns bereithielt. Dadurch geriet besonders Hans Abrahamsens  einstündiges Werk „Schnee“  feierlich, luftig und meditativ zugleich.

Alle anderen Stücke gelangen ebenso gut, was an der Reaktion des –na ja, eher überschaubaren Publikums zu erkennen war. Nach unserem ersten Konzert bekamen wir (Sensation, noch nie dagewesen!), je einen Flacon „Eau d’Atonal“, kreiert von einem Parfumier aus Helsinki!

Sehr nett gestaltete sich auch das Wiedersehen mit dem Komponisten V. Puumala, Professor an der Musikhochschule in Helsinki, und vier seiner Studenten, die wir von unserem Projekt „Klassenarbeit“schon kannten. In unserem zweiten Konzert am darauffolgenden Abend erklangen dann auch die Kompositionen dieser vier Studenten, flankiert von Werken Puumalas und Tallgrens.

Die Rückreise war naturgemäß genau so lang wie die Hinfahrt, aber es war eine Reise in die Nacht, was nach der permanenten Helligkeit und trotz aller finnischer Naturschönheiten fast etwas Beruhigendes hatte.