Reisebericht Donaueschingen 16. Oktober 2016

Das ensemble recherche ist wieder einmal Gast bei den Donaueschinger Musiktagen. Vier Uraufführungen stehen am Sonntagvormittag um 11 Uhr im Bartoksaal auf dem Programm. Stücke von Wieland Hoban, Peter Ablinger, Patricia Alessandrini und Martin Smolka, der Rundfunk überträgt live.

Alle 9 Musiker des Ensembles sind am Start.

Zusätzlich werden in Wieland Hobans Stück 4 Harfen aufgeboten. Jeder Harfe sind 2 recherche-Musiker zugeteilt, wodurch 4 Trios entstehen, die auf der Bühne auch als solche gruppiert und erkennbar sind.

Peter Ablingers Ausgangsmaterial für „Die schönsten Schlager der 60er und 70er Jahre“ sind tatsächlich Schlager der 60er und 70er Jahre. Der Komponist bittet zum Ratespiel. Es gilt, möglichst viele Originale zu erkennen – Preis: eine signierte CD oder LP des Komponisten. Kein leichtes Unterfangen, die Perlen der Vergangenheit herauszuhören.

Patricia Alessandrini arbeitet zusätzlich mit elektronischen Klängen, unterstützt durch Michael Acker vom Experimentalstudio des SWR Freiburg.

Martin Smolka stattet alle Musiker zusätzlich mit Gongs aus, die dann im Verlauf des Stückes auch prominent zum Einsatz kommen.

In Bräunlingen, unweit von Donaueschingen, ist zeitgleich Kirmes. Dort befindet sich unser Hotel. Kirmes in Bräunlingen bedeutet wohl ebenso Oktoberfest, denn bei einem kurzem praedormanten Spaziergang Freitagabend treffe ich vor der Stadthalle, in der die Wogen hoch schlagen, auf Dirndl und fesche Lederhosen. Bis 3 Uhr morgens soll es gehen. Lohnt sich also noch, der Eintritt von 15 Euro, wie der Herr bei der Einlasskontrolle vermerkt. Heute aber nichts für mich, vielleicht ein anderes Mal?

Die Kirchenglocken von Bräunlingen wecken den werten Hotelgast gefühlt mitten in der Nacht. Na ja – also nochmal umdrehen bis zum Frühstück.

Dann geht’s weiter mit proben, proben, proben.

Samstagabend im Hotel nach den Klaviertasten noch ein kurzer Versuch mit den Tasten der Fernbedienung des Fernsehers – eins, zwei, drei etc. Da plötzlich ein Kollege auf der Mattscheibe – André Rieu, Geiger und in diesem Fall auch Dirigent, Open Air, Menschenmassen auf dem Platz vor der Bühne und in den Gassen, tanzend, sich in den Armen liegend und küssend. Und just zu dem Zeitpunkt meines Reinzappens erklingt das Schlußstück, Ravels Bolero inklusive Feuerwerk. Schnell aber wird klar, die richtig tollen Stücke, das eigentliche Konzert kommt erst nach dem Konzert. „Wollt ihr nicht endlich nach Hause?“ „Nein – noch ein Stück“ - und noch ein Stück, Mitsingen, Schunkeln, noch mehr Küsse.

Wieder was gelernt: so bändigt man ein Publikum, macht es sich gefügig, so zelebriert man Musik, die zur Droge wird und die Zuhörer in Ekstase versetzt.

Machen wir es doch beim nächsten Mal genau so in Donaueschingen. Müssten sich nur das passende Publikum und die passenden Komponisten dazu einfinden. Obwohl – für die entsprechenden Zugaben, eben das Konzert nach dem Konzert, könnten wir schon selber sorgen.