Reisebericht Prag 15. November 2016

Kurz vor Durchschreiten der Sicherheitskontrolle am Frankfurter Flughafen klingelt das Handy. Shizuyo Oka, beladen mit gefühlt 15 Klarinetten, vermisst mich im Zug Freiburg – Frankfurt Flughafen. In einem Anfall von Sorgfältigkeit habe ich den Zug eine Stunde früher genommen, um den Flug auf gar keinen Fall zu verpassen, und vergessen, dass ich für den Transport eines Teils der Klarinetten zuständig sein sollte. Schöner Schlamassel, zum Glück übernimmt mein Klavierkollege Jean-Pierre Collot. Im abendfüllenden Stück „Schnee“ von Hans Abrahamsen sind zwei Klaviere besetzt.

Wir befinden uns auf dem Weg nach Prag zum Festival Contempuls 8. Dort, im Konzertort Fabrica, wird das Stück zum ersten Mal erklingen. Insgesamt ist es aber schon die 13. Aufführung von „Schnee“ durch das ensemble recherche. Nur wenigen Stücken ist ein solches Schicksal vergönnt, eine Erfolgsgeschichte. Und die Veranstalter Miroslav Pudlak und Josef Trestik wollten eben genau das Uraufführungsensemble für dieses Konzert. Der Abend ist gut besucht, es herrscht eine konzentrierte Atmosphäre, Begeisterung nach 60 Minuten Abrahamsscher Musik. Der Komponist selbst kommt zehn Tage später für einen Vortrag nach Prag, in dem er über "Schnee" und außerdem über "Wald" referiert, das am 25.11. vom Ensemble Prague Modern aufgeführt wird.

Übrigens: Barbara Maurer, unsere Bratschistin hat am Hinreisetag Geburtstag, der abends noch gemeinsam bei einem zünftigen Gulasch, Schweinebraten und tschechischen Bier ein wenig gefeiert wird. Und natürlich gebe ich mir auf der Rückreise besondere Mühe, meinen Fauxpas zu Beginn der Unternehmung wieder gut zu machen und erfreue mich daran, Klarinetten transportieren zu dürfen.