Südamerika Juli 2014

Flughafen Cordoba, am Abfluggate, und da noch etwas Zeit ist vor dem Flugmarathon über Santiago de Chile und Madrid nach Frankfurt, der ideale Moment, um mit dem Reisebericht zu beginnen.

Gleichzeitig klingt noch der euphorische Applaus unseres Publikums beim abschließenden Konzert in der Aula Magna Cordoba in den Ohren nach. Und genau diese Begeisterung, das uns entgegengebrachte Interesse für unser Musizieren, die Konzerte, aber auch insbesondere der Instrumentalunterricht, zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Woche.

 Nun muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich hier nur über die Stationen Montevideo und Cordoba berichte. Den ersten Teil des Aufenthaltes waren wir aufgeteilt: Shizuyo Oka, Åsa Åkerberg und Jean-Pierre Collot in Santiago de Chile, Barbara Maurer, Martin Fahlenbock und ich selbst in Montevideo. Danach trafen wir uns alle in Cordoba.

Organisiert, möglich gemacht haben dies alles die Goethe Institute Montevideo (Frau Dr.Lattaro, Annette Uppenkamp), Cordoba (Almut Schmidt), und Santiago de Chile (Lisa Flükiger) in Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort Marcelo Rilli in Montevideo, Pablo Aranda in Santiago und Eduardo Spinelli in Cordoba, wobei Eduardo und Almut Schmidt aus Cordoba die Initiatoren und Ideengeber waren, den ersten Ball ins Rollen gebracht haben. Diesen Vergleich (den mit dem Ball) konnte ich mir jetzt wirklich nicht verkneifen. Die WM und natürlich insbesondere das Endspiel Deutschland – Argentinien schwangen noch nach. Als Bildschirmschoner auf Almut Schmidts Rechner prangte ein Mannschaftsfoto der deutschen Fußballnationalmannschaft  und auf den Maschinen der Air Argentina waren Messi, Higuain und Agüero heranstürmend, den Torschrei auf den Lippen, zu bewundern. Beim Einstieg in den Flieger von Buenos Aires nach Cordoba fotografierten argentinische Reisende ihre auf der Flugzeugflanke (schon wieder ein Fußballwort, wie dem Kenner sofort auffallen wird) abgebildeten Helden, gleichzeitig gab sich der hinter ihnen einsteigende Martin Fahlenbock als Spielverderber zu erkennen, eben als Deutscher, was ihm aber weder ein Foul noch eine Karte einbrachte, sondern nur Glückwünsche zum Holen des „Ding“ (Kosewort für den WM-Pokal).

Zwischenstation Madrid, wieder im europäischen Sommer. Das Trikot mit Namenszug von James (Neuerwerbung von Real Madrid nach der WM) und der Nummer 10 kostet im Fanshop von Real 103 Euro, ist aber schon zum zweiten Mal vergriffen, so dass der Name und die Nummer im Shop einzeln aufgebügelt werden.

Also weiter im Bericht.

Hier noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten vor Ort für die Unterstützung, die aufmerksame Betreuung und Gastfreundschaft in Cordoba genauso wie in Montevideo. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Das Sahnehäubchen diesbezüglich lieferte dann noch Cordoba. Dort wurden uns Dolmetscherinnen für den Unterricht zur Seite gestellt. Diese Maßnahme erwies sich sehr bald als große Bereicherung für den Unterricht. Mir fiel es beispielsweise auf deutsch viel leichter auch etwas umfangreicher, um nicht zu sagen ausschweifender den einen oder anderen Sachverhalt zu beleuchten, die humoristische Seite nicht zu kurz kommen zu lassen oder auch die Hörerschaft im Saal mit einzubeziehen. 

Was das Wohlfühlen anbelangt hatte übrigens ich wohl dieses Mal den Vogel in Montevideo abgeschossen. Mein Zimmer oder besser Penthouse im Balmoral mit Dachterrasse und durch eine Glaswand abgetrennten Badbereich inklusive Whirlpool lud zum Entspannen nach getaner Arbeit ein. Und das hab ich dann auch gemacht. An so eine Hotelsituation auf Konzertreisen könnte ich mich gewöhnen.

Eine Anekdote möchte ich noch erzählen.

Nach unserem Konzert in Montevideo begaben wir uns angesichts der gefühlten späten Uhrzeit von 3 Uhr morgens ohne größere Umschweife ins Hotel. Dort angekommen wollten wir uns dann aber doch in der Hotelbar noch ein gemeinsames Bierchen genehmigen. Mit noch einem ausreichenden Restteil der vom Goethe-Institut zur Verfügung gestellten Spesen ausgestattet, kam es mir in den Sinn, einen Cocktail und in diesem Fall einen Margherita zu bestellen.

Nachdem die für die Bartätigkeiten zuständige Person nach einigen Momenten entspannten Wartens eingetroffen war, konnte die Bestellung aufgegeben werden. Das Bier machte keine großen Umstände, aber dann..... Ein Margherita muss dort lange nicht mehr bestellt worden sein. Es erfolgten Gänge des Barmanns in verschiedene Richtungen, Zutaten wurden herangeschafft und ein Mixer, der dem glich, den ich zu Hause beispielsweise für das Pürieren von Obst verwende. Das Glas, welches an eine kleine Obstschale erinnerte, wurde mit dem obligatorischen Salzrand versehen, Eiswürfel und die übrigen Zutaten in den Mixer befördert. Ratter, Ratter – fertig ist das Mixgetränk und wird in das auf der Theke stehende Glas umgeschüttet. Just in diesem Moment klingelt hinter der Theke das Telefon. Der Barmann geht ran und mein Margherita steht 10 Meter entfernt von mir auf der Theke. Ich überlege noch, ob ich diesen nicht einfach selbst holen soll, verwerfe diesen Impuls aber wieder. Das ist die Sache des Barmanns. Also wieder wie ganz am Anfang entspanntes Warten (ich war ja whirlpooltiefenentspannt). Hätte ich allerdings geahnt, was dann folgen sollte.....

Das Telefonat wurde beendet und nun kommt SIE ins Spiel – die Schwingtür, ein Durchgang zwischen dem Arbeitsplatz des Barmanns und der Lobby. Eine Schwingtür – eigentlich praktisch. Martin Fahlenbock hatte ob seiner Sitzposition die Möglichkeit, das Drama auch optisch genauestens zu verfolgen. Der Margherita befand sich jetzt auf einem Tablett und dieses auf der Hand des Barmanns. Ich erinnere mich nur noch an das Bild einer schwingenden Tür und die Geräusche von zerberstendem Glas und ein paar erstaunlich unaufgeregte Kommentare seitens des Barmanns. (Ich schätze, er hat auch einen Whirlpool zu Hause oder darf den in meinem Zimmer benutzen, wenn dieses leer steht.)

So kamen wir ein zweites Mal in den Genuss, die Zubereitungskünste von Mr. Klirr an der Bar zu verfolgen, und ich kam schließlich auch noch zu diesem schwerst erarbeiteten Margherita.